Raumklima › Ratgeber

Richtig lüften bei Kälte, Regen und Schwüle: die Rechnung dahinter

„Stoßlüften, drei Mal am Tag“ steht in jedem Merkblatt. Warum das stimmt, wann es nicht reicht und wann Lüften sogar schadet, zeigt eine einfache Rechnung mit der absoluten Feuchte.

Die Prozentzahl draußen führt in die Irre

Bei 0 °C und 80 % Luftfeuchtigkeit wirkt die Außenluft nass. Sie enthält aber nur 3,9 g Wasser je Kubikmeter – deine Raumluft mit 20 °C und 60 % enthält 10,3 g. Kommt die Außenluft herein und wird warm, hat sie noch 21 % relative Feuchte. Ein vollständiger Luftwechsel in einem Raum mit 50 m³ trägt so bis zu 337 g Wasser hinaus.

Was das an Wärme kostet

Luft speichert wenig Wärme: 0,34 Wattstunden je Kubikmeter und Grad. 50 m³ bei 20 Grad Unterschied sind 340 Wh – bei 12 Cent je kWh (Beispielwert) rund 4,1 Cent je Luftwechsel. Die meiste Wärme steckt in Wänden, Decke und Möbeln. Sie bleibt, wenn du kurz lüftest. Steht das Fenster stundenlang auf Kipp, kühlt die Laibung aus – genau die Stelle, an der Schimmel am liebsten wächst.

Das Schlafzimmer am Morgen

Zwei Menschen geben in acht Stunden Schlaf rund 800 g Wasser ab (Richtwert 50 g je Person und Stunde). In einem Schlafzimmer mit 37,5 m³, 18 °C und 65 % trägt ein Luftwechsel bei 0 °C draußen 237 g hinaus. Es braucht also rechnerisch 3,4 Luftwechsel, bis die Feuchte der Nacht draußen ist – einmal kurz das Fenster auf reicht nicht ganz. Ein Teil steckt bis dahin in Bettzeug und Wänden und kommt erst nach und nach wieder heraus. Deshalb: morgens gründlich, später noch einmal.

Wann Lüften wenig bringt

Bei mildem Regenwetter. Luft mit 12 °C und 95 % hat, auf 20 °C gebracht, immer noch 57 % relative Feuchte. Gegen 60 % im Raum ist das kaum ein Gewinn. In solchen Wochen hilft, weniger Feuchte entstehen zu lassen: Deckel auf den Topf, Dunstabzug an, Bad nach dem Duschen direkt nach draußen lüften, Wäsche nicht im Wohnraum trocknen.

Wann Lüften schadet

Im Sommer in kühlen Räumen. Luft mit 28 °C und 60 % enthält 16,3 g Wasser je Kubikmeter. Ein Keller mit 16 °C kann nur 13,6 g halten. Was darüber liegt, wird an Wand und Boden zu Tauwasser. Lüfte Keller, Souterrain und dicke Altbaumauern im Sommer nur, wenn es draußen kühler ist als drinnen – oder prüfe es im Rechner.

Die Faustregeln, ehrlich eingeordnet

Für das Wetter von heute rechnen

Die Rechner stellen keinen Schimmel fest. Sie zeigen, wann die Bedingungen dafür günstig werden. Bei sichtbarem Befall, der größer ist oder wiederkommt, bei nassen Wänden, muffigem Geruch ohne erkennbare Ursache oder gesundheitlichen Beschwerden gehören Fachleute ins Haus (Bausachverständige, Fachbetrieb) – bei Beschwerden eine Ärztin oder ein Arzt. Diese Seiten sind keine Gesundheits- und keine Rechtsberatung.

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